Dr. Linus Eichhorn, Tierarzt:
Unsere Schafe sind fast das ganze Jahr draußen am Deich oder auf der Weide. Nur zu der Zeit, wo sie Lämmer bekommen, sind sie im Stall. Schafe haben ihre Schutzkleidung also ihr Wollkleid immer dabei. Es schützt sie vor Regen, Sonne, Wind und Schnee. Schafe sind robuste Tiere, sollte es ihnen jedoch nicht gut gehen, zeigen sie es sehr spät.
Damit die Schafe und Lämmer auch gesund bleiben, werden sie das ganze Jahr über vom Tierarzt betreut, d.h. es wird regelmäßig geschaut, dass die Tiere keine Würmer haben, dass sie ihre Schutzimpfungen bekommen, dass ihre Wolle seidig ist und dass sie nicht humpeln oder husten. Genauso wie Hund, Katze, Maus oder ihr selber, können Schafe auch krank werden. Dann benötigen sie Medizin gegen Schmerzen, Fieber oder Bakterien. Anders als beim Hund oder bei der Katze kommt der Tierarzt zu den Schafen in den Stall oder auf die Weide. Da kann er dann auch gleich das Zuhause, das Futter und das Wasser, und die anderen Schafe untersuchen.
Hier habt euch sicher schon einmal gefragt, warum die Schafe im Herbst einen farbigen Po haben. Das passiert in der Zeit, wenn der Bock bei den weiblichen Schafen ist, um sie zu befruchten. Er trägt dabei ein sehr großes farbiges Stempelkissen auf der Brust. Das Kissen hat ihm der Schäfer vorher umgebunden. Um genau zu wissen, ob die Tiere tragend sind, kommt der Tierarzt mit seinem Ultraschallgerät und untersucht die Schafe. Auf einem Bildschirm kann er dann genau sehen, ob das Schaf Lämmer im Bauch hat.
Tierarzt und Landwirt arbeiten eng zusammen, um dafür zu sorgen, dass die Tiere dauerhaft gesund bleiben und gesunde Lämmer zur Welt bringen.
Müssen alle Schafe geschoren werden?
Nicht alle Schafe müssen geschoren werden. Ursprünglich hatten Schafe ein dichtes Haarkleid, das sich im Frühling und Herbst von selbst wechselte. Dann, als Menschen begannen, Schafe zu zähmen und zu domestizieren, entwickelten sich einige Schafe mit Wollbildung. Die Wolle wurde für den Menschen sehr wichtig, um daraus Kleider und Textilien herzustellen. Daher gibt es heute viele Rassen mit einem Wollvlies.
Es gibt jedoch immer noch einige Schafe, wie das Kamerunschaf, das ein Haarkleid hat. Diese Schafe leben oft in heißen und trockenen Gegenden. Da sie von Natur aus ein Haarkleid haben, müssen sie nicht geschoren werden.
Die meisten Woll-Schafrassen hingegen müssen einmal im Jahr geschoren werden.
Schafe sind nie falsch angezogen. Die Wolle schützt die Schafe sowohl vor Hitze als auch vor Kälte. Die Wolle besteht aus der dichten, gekräuselten Unterwolle und den darüber liegenden dickeren Haaren. Die Wolle der Schafe fühlt sich richtig fettig an. Das kommt vom Lanolin, einem Fett, das von den Hautdrüsen produziert wird. Es schützt die Wolle vor Nässe. Selbst beim stärksten Regen bleibt die Unterwolle der Schafe schön warm und trocken.
Wann werden Schafe geschoren?
Je nach Region und Produktionssystem werden die Schafe im Winter geschoren, bevor sie in den Stall gebracht werden. Andere werden im Frühjahr oder Frühsommer geschoren, wenn es wieder wärmer wird. Die Entscheidung hängt von verschiedenen Dingen ab. Zum Beispiel, wie viel Platz im Stall zur Verfügung steht, der Zeitpunkt der Ablammsaison und die Futtergrundlage auf dem Betrieb.
Die Winterschur wird ab Dezember bei den trächtigen Schafe beim Aufstallen durchgeführt. Das sorgt mehr Platz im Stall und gleichzeitig für ein gutes und gesundes Raumklima. Außerdem kann der Schäfer schnell sehen, ob die Lämmer ausreichend trinken und Problemen erkennen.
Es gibt aber auch viele Betriebe, bei denen die Schafe bei der Aufstallung nur im Afterbereich ausgeschoren werden, damit bei der Lammung geburtshygienische Maßnahmen gründlich durchgeführt werden können. Ansonsten behalten die Schafe ihre Wolle, damit sie nach der Lammzeit möglichst schnell wieder auf die Weiden können, um den jungen frischen Grasaufwuchs im Frühjahr zu fressen. Die komplette Schur wird dann in den Sommermonaten durchgeführt. Den richtigen Zeitpunkt für die Sommerschur zu finden ist garnicht so einfach und hängt von der Witterung ab. Schert man zu früh, können noch kalte Tage oder Nächte kommen. In der Regel wird die Schafskälte, eine Kälteperiode, die Mitte Juni häufig ein paar kühlere Tage mit sich bringt abgewartet. Dies ist der Grund warum bei den ersten schönen Frühlingstagen nicht gleich die Schermaschine gezückt wird. Denn ist die Wolle erst mal ab, braucht sie ein Jahr um komplett wieder nachzuwachsen. Mit einer Schur im Juni wird eine Überhitzung der Tiere im Sommer vermieden und gleichzeitig haben die Tiere ausreichend Zeit, für die Wintermonate wieder genügend Wolle aufzubauen.
Ist die Schur stressig für die Schafe?
Das Ziel der Schur ist das Schaf von seiner Wolle zu befreien und zwar auf eine Weise, die für das Schaf möglichst stressfrei ist. Natürlich würde sich kein Schaf freiwillig scheren lassen, viele Schafe lassen das Scheren aber bei geübten Umgang mit jeder Methode relativ stressfrei über sich ergehen. Und wenn die Temperaturen steigen, sind die Schafe auch froh, dass die Wolle runter ist. Aus diesem Grund werden in der Regel. die Schafe zur Schur im wahrsten Sinne des Wortes auf den Hintern gesetzt. Sobald die Füße keinen Bodenkontakt mehr haben, ergibt sich das Schaf in sein Schicksal und wird ruhiger.
Ansprechpartnerin Schafhaltung
Janine Bruser, Geschäftsführerin Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V.
Schafe kommen mit Kälte und Schnee in der Regel gut zurecht. Schafe sind von Natur aus an unterschiedliche Wetterbedingungen angepasst – besonders dann, wenn sie, wie unsere Tiere, das ganze Jahr über draußen auf der Weide leben und an das regionale Klima gewöhnt sind.
Tatsächlich ist die kalte Temperatur kein Problem für Schafe, im Gegenteil Schafe und Rinder haben Wohlfühltemperaturen zwischen -15 bis +15 Grad Celcius, insbesondere, wenn Sie genug Wolle haben, die sehr gut isoliert.
Das zeigt sich, wenn es schneit:
Der Schnee bleibt auf der Wolle liegen und schmilzt nicht. Das bedeutet, dass die Körperwärme im Inneren gehalten wird.
Besonders interessant:
Wolle wärmt auch bei Feuchtigkeit! Die Tiere sind durch die Wolle meist so gut geschützt, dass selbst bei anhaltendem Regen die Haut unter der Wolle nicht nass wird. Doch nicht nur die Wolle schützt das Tier, auch an Beinen und Kopf bekommen die Schafe "Winterfell", welches diese Bereiche zusätzlich gegen Wärmeverlust schützt.
Hinzu kommt, dass der Pansen, also einer der vier Mägen der Wiederkäuer, bei der Verdauung Wärme für das Tier produziert.
Bei Kälte reagieren Schafe mit physiologischen Anpassungen und speziellen Verhaltensweisen.
So wird die Durchblutung von Beinen und Ohren verringert, um Wärme zu sparen.
Alter, Gesundheitszustand und Wollmenge spielen dabei eine Rolle. Deshalb ist es für Schafhalter selbstverständlich, ihre Tiere bei solchen Wetterlagen besonders aufmerksam zu beobachten.
Bei viel Schnee und andauernder Kälte haben die Schafhalter entsprechend viel zusätzliche Arbeit:
Die Schafe werden auf geeignete Flächen gebracht und umgeweidet, teilweise zugefüttert und kontrolliert – auch unter schwierigen Straßen- und Wetterbedingungen. Für Schafhalter steht immer an erster Stelle, dass es den Tieren gut geht.
Welche gesetzlichen Vorschriften, Verordnungen oder Leitlinien gelten für die Winterhaltung von Schafen?
Für die Schafhaltung sind vor allem relevant:
Zusätzlich gibt es viele Empfehlungen, die keinen Gesetzescharakter haben, z.B. Handreichung "Tiergerechte Schafhaltung in Schleswig-Holstein" des Runden Tisches „Tierschutz in der Nutztierhaltung““ oder die „Empfehlung für die Haltung von Schafen und Ziegen“ der Deutschen Gesellschaft für die Krankheiten der kleinen Wiederkäuer, eine Fachgruppe der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft
Gibt es festgelegte Temperatur-, Wetter- oder Bodenbedingungen, die eine Stallhaltung vorschreiben?
Nein. Vorgeschrieben ist lediglich, dass Tiere vor Witterungsbedingungen zu schützen sind, die zu Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes oder zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen. Aufgrund der unterschiedlichen Parameter wie Temperatur, Feuchtigkeit, Wind aber auch Alter, Gesundheitszustand, Ernährungszustand und Wollwachstum der Tiere ist es immer eine Einzelfallentscheidung die jeder Tierhalter treffen muss. Und natürlich auch immer wieder neu bewerten muss.
Welche Anforderungen bestehen hinsichtlich Fütterung, Schutz vor Witterungseinflüssen und Zugang zu trockenen Liegeflächen?
Die Schafe müssen ausreichend zu fressen haben, um ihrem Bedarf gerecht zu werden. Der Bedarf ist je nach Witterung, Alter, Trächtigkeitsstadium unterschiedlich.
Die Tiere müssen die Möglichkeit haben sich trocken abzulegen. Aufgrund der Wolle sind adulte Tiere relativ gut gegen Feuchtigkeit geschützt, sodass eine feuchte Wiese kein Problem ist. Im tiefen Matsch sollten die Tiere allerdings nicht liegen müssen.
Gibt es Ausnahmen (z. B. bestimmte Rassen), die eine längere Auslaufhaltung im Freien erlauben?
Grundsätzlich können alle Schafrassen ganzjährig im Freien gehalten werden.
Ist es den Tieren anzumerken, wenn sie sich aufgrund des Wetters unwohl fühlen? Wie verhalten sie sich dann?
Aufgekrümmter Rücken in Verbindung mit Zittern und innigem Körperkontakt der Herdenmitglieder gelten als Anzeichen für Kältestress. Wenn die Schafe wiederkäuen und eine entspannte Körperhaltung haben, sind das Anzeichen für gesunde Schafe.
Welche Folgen hätte eine falsche Haltung? (bspw. Krankheiten)
Bezogen auf die Weidehaltung im Winter, ist die größte Gefahr, dass die Tiere zu viel Energie benötigen um Ihren Wärmebedarf zu decken. Die Folge könnte ein eingeschränktes Immunsystem sein, oder Gewichtsverlust. Tiere die hochtragend sind, benötigen Energie um die Lämmer zu versorgen und ausreichend Milch zu bilden.
Es ist daher im Interesse jedes Schafhalters seine Tiere gut zu kennen und zu sehen, ob eine Fläche geeignet ist oder ob zugefüttert werden muss oder die Tiere anders untergebracht werden müssen.
Ansprechpartner:
Dr. Linus Eichhorn
Emmy-Noether-Straße 21
25524 Itzehoe
Telefon: 0 48 21 - 40 34 86 0
Fax: 0 48 21 - 40 34 86 4
Mobil: 0175 - 631 43 01
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